Wellness Magazine: Fencers' are the winning kind.

magazine story with statement by Sonia Laszlo
and pictures from the Lies Maculan fencing series for which Sonia modelled.

Sorry: available only in German


Fechter sind Siegertypen
Der elegante Sport auf D’Artagnans Spuren


„Und zu meinem Gegner sprech ich: Sieh dich vor, geputzter Affe! Denn beim letzten Verse stech ich!“ posaunte Edmond Rostands tragikomischer Musketier Cyrano von Bergerac Degen schwingend jenem Gegner zu, welcher sich über seine lange Nase lustig machte.

Die Menschen lieben den Nervenkitzel. Heute wirft man sich eben Bungee jumpend von Brücken. Früher löste die Todesgefahr des Duellfechtens diesen gewissen Kick aus. Daher hat man sich auch für scheinbar völlig unsinnige Dinge bekämpft. Der Degen war weniger Schlacht entscheidend, sondern wurde eher als rituelle Waffe verwendet. Heute fungiert das Fechtinstrument rein als „Sportgerät” und die Kontrahenten sind dank ihrer Schutzanzüge nahezu unverletzlich. Gleichgeblieben ist die ritterliche Anmut und der unbändige Wille, die Verteidigung des Gegners zu durchdringen und einen Treffer zu landen. Fechter müssen Spaß am Kampf und an der Grazie des Fechtens haben.

AUF MESSERS SCHNEIDE

Fechten war lange Zeit weg vom Fenster. Mit Zorro, Robin Hood und den Musketieren lockt man heutzutage keine Teenager mehr in die Fechtsporthalle. Doch seit James Bond im neuesten 007-Streifen „Die Another Day” zum Degen greift, Madonna im Bond-Titelsong sogar der blutigen Klinge zum Opfer fällt und Indira, das rassige Mädchen aus der deutschen Erfolgsboygirlgroup „BroSis”, im Musicclip „Do you” das Florett schwingen lässt, geht wieder ein Ruck durch die Kids. Fechten ist „exotisch” und „cool”.

HIEB- UND STICHFEST

Es gibt 3 Waffengattungen: Florett, Degen und Säbel. Vor noch nicht allzu langer Zeit war der Säbel nur den Männern vorbehalten. Damit ist nun Schluss. Gleichberechtigung für alle. Keinem wird eine bestimmte Waffe vorgeschrieben. Üblicherweise beginnen Anfängerkurse mir dem Florett, da es die breiteste Schule voraussetzt. Am leichtesten tut man sich aber in der Regel mit dem Degen. Das hängt wohl mit dem raschen Erfolgserlebnis zusammen, das sich beim Degen dadurch früher als bei Florett und Säbel einstellt, weil man beim Degenfechten mit Abstand die besten Treffermöglichkeiten hat. Der ganze Körper ist gültige Trefferfläche, wogegen beim Säbel nur der Oberkörper und der Kopf und beim Florett gar nur der Rumpf, also weder Beine, Arme noch Kopf getroffen werden dürfen. Außerdem ist beim Säbel- und Florettfechten das strenge Treffervorrecht zu beachten. Das bedeutet, dass der Angegriffene den Vorstoß des Angreifers erst einmal parieren muss, ehe er selbst aktiv werden darf und zur Retourkutsche, der sogenannten “Riposte”, ansetzten kann. Im Gegensatz dazu gibt es beim Degen keine Angriffsregeln. Wer zuerst trifft, erhält den Punkt. Der Degen erlaubt sogar Doppeltreffer: Wenn Angreifer und Verteidiger gleichzeitig ins Schwarze treffen, werden beide mit einem Punkt belohnt.

WAHL DER WAFFEN

Fechten ist nicht gleich Fechten. Im alpinen Skilauf gibt es ja auch jene, die lieber Abfahrt fahren und andere, die eher auf Slalom stehen. So ist es auch beim Klingenduell. Jeder hat seine eigene Lieblingswaffe. Manche schwören auf das Florett. Es wird als die Kunstwaffe unter den Waffengattungen bezeichnet, weil der Fechter hierbei besonders viel Geschicklichkeit und Schnellkraft besitzen muss, um mit diesem Gerät erfolgreich einen Stich zu landen. Das Florett fand seinen Ursprung als leichte und stumpfe Übungswaffe für den Degen. Andere schwören dagegen auf den Säbel, weil er die schnellste Waffengattung ist. Damit können Schmerzempfindliche wiederum gar nichts anfangen, denn Säbelhiebe können wesentlich spürbarer als Degen- und Florettstiche sein. Bei Degen wiederum wird mehr taktiert als mit den anderen Waffen und die beliebten Handtreffer haben besonderen Reiz.

SCHACH IM SCHNELLZUGTEMPO

Treffen und nicht getroffen werden. Es geht um Millisekunden. Der Fechter muss reaktionsschnell sein, sofort von Angriff auf Konter und wieder auf Angriff umstellen und sich ständig wechselnden Situationen anpassen. Fechten ist eine der schnellsten Einzelsportarten, die aber ohne Gegner nicht auskommt. Erfolg und Niederlage hängen neben dem eigenen Können vor allem von den Stärken und Schwächen des Fechtpartners ab. Die Sportler betreten den 14 Meter langen, aber nur zwei Meter breiten Steg – die „Planche” – und heben die Waffe zum Fechtgruß. Dann nehmen sie die Fechtstellung ein, die am besten so aussieht, dass man dem Gegner möglichst wenig Trefferfläche bietet, gleichzeitig aber explosionsartig in den Ausfallschritt vorschnellen und sich nach dem Angriff wieder ebenso rasch zurückziehen kann. Tritt einer der Duellanten über die hintere Endmarkierung, setzt es automatisch Strafpunkte. Für den Zuseher sieht dieses Spektakel elegant und dynamisch aus, besonders, wenn sich erfahrene Routiniers gegenüber stehen, sich mit Finten locken und mit Überraschungsstößen das Publikum zum Aufschreien bringen. Manche bezeichnen die ästhetischen Bewegungen der sich anpirschenden Fechter und Fechterinnen sogar als „erotisch”.

OBERSCHENKEL AUS STAHL

Die Klingen tasten sich feinfühlig ab. Die Fechter lauern auf Lücken in der Abwehr. Der geringste Konzentrationsfehler kann ins Verderben führen. Fechten spielt sich zu einem hohen Prozentsatz im Kopf ab. Der Anfänger spürt rasch, dass in diesem Sport auch Fitness vorausgesetzt wird. Man muss nicht lange erklären, welche Muskeln im Fechten hart auf die Probe gestellt werden.

Die erste Trainingseinheit macht es klar: Der Oberschenkel brennt nach wenigen Minuten wie nach einer langen Kitzbühelabfahrtshocke und die Arme immer in waagrechter Position ausgestreckt zu halten, benötigt ebenfalls Nachhilfeunterricht im Fitnesscenter. Um die Fechtstellung und die verschiedensten Angriffs- und Verteidigungsschritte perfekt zu beherrschen, ist exzellente Beinarbeit notwendig. Und die erreicht man nur durch intensives und ausdauerndes Training. Erst dann ist man in der Lage, Kevin Costner als Robin Hood nachzuahmen.

AN DIE WAFFEN

Früh übt sich, wer es auf olympischen Bühnen zu Edelmetall schaffen möchte. Generell können Kinder ab dem Schulalter spielerisch mit dem Fechttraining beginnen. Da der geistigen Reaktionsschnelligkeit ein hohes Maß an Bedeutung zukommt, reicht das Hochleistungsalter über einen wesentlich längeren Zeitraum als in vielen anderen Sportarten an. Fechten ist ein Sport, der keine Altersgrenze kennt. Wer also erst als Erwachsener erkennt, dass Degenschwingen Spaß macht, kann die elegante Sportkunst durchaus noch erlernen. Es ist nie zu spät, in den Fechtsport einzusteigen. Fechtvereine bieten sowohl für Kinder, Jugendliche, Männer, Frauen und selbst für Senioren Kurse an. Letztere Gruppe schätzt den edlen Sport besonders deshalb, weil die Fechterei den Geist auf Trab hält. Fechten als eine Art „Jungbrunnen”!

UNTER STROM

Nach dem „Trockenfechten” werden die beiden Fechtpartner an die Leine genommen. Die Florett- und Säbelfechter streifen sich eine so genannte E-Weste über. Waffe und Weste werden nun durch ein Stromkabel mit dem Trefferanzeigegerät verbunden. Jeder Duellant besitzt auf dem Anzeigegerät eine weiße und entweder eine rote oder eine grüne Lampe. Leuchtet die weiße Lampe auf, ist der Treffer ungültig. Bei rot oder grün zählt der Stich. Da beim Degen der ganze Körper Trefffläche ist, ist keine extra Weste notwendig. Beim Degen gibt es daher auch keine ungültigen Treffer und es leuchtet nur die rote, grüne oder beide Lampen im Falle eines Doppeltreffers.

PRIM, SECOND, TERZ...

Quart, Quint, Sixt, Septim und Octav! Ein weiterer Fakt, der Fechten so „exotisch” macht, ist die Mixtur aus französischen und italienischen Fachbegriffen. „Imbroccata” und „Passanta Sotto” sind keine neuen italienischen Spaghettisaucekreationen, sondern bezeichnen Fechtangriffe. Französisch ist die Amtssprache des Fechtens. Prim, Second, Terz und Quart sind Faustlagen, die entweder als Parade oder als Einladung, um den Gegner herauszufordern, eingenommen werden. Die Riposte ist der Stoß, der sofort, nachdem der Angriff des Gegners pariert worden ist, ausgeführt wird. Internationale Turniere werden nur auf Französisch juriert.

EDLE TURNIERE

Die klassischen Fechtnationen sind Italien und Frankreich, gefolgt von Ungarn. Auch unter den ersten Rängen sind Deutschland und Russland. International rangiert Österreich um Platz 16. Unsere Aushängeschilder im Fechten sind bei den Damen Andrea Rentmeister, Claudia Panuschka und Therese Lorenz. Bei den Herren wird es ein heißes Rennen um die Plätze bei den Olympischen Spielen: Marcus Robatsch, Jörg Mathe, Johannes Böhm, Christoph Marik, Oliver Kayser und Michael Switak bestellen das Feld. Schnupperkurse sind in jedem Fechtverein möglich. Solange man den Sport als Hobby ausübt, halten sich auch die Kosten in Grenzen. Es genügen in der Regel bequeme Trainingskleidung und Hallensportschuhe. Die meisten Vereine verleihen Anfängern Waffen und Masken. Fechten geht jedoch ins Geld, sobald man sich turnierfertig ausrüsten will. Hier kommen dann nämlich die spezielle Sicherheitsausrüstung und die elektrische Ausführung für die Trefferanzeige hinzu. Abgesehen davon reicht für den Turnierkämpfer eine einzige Waffe nicht aus und man sollte mehrere Ersatzwaffen im Talon haben. In der Hitze des Gefechtes können die Klingen schon einmal zerbrechen. Wer weiß, vielleicht trifft man ja auf hartnäckige Brocken, wie wir sie aus der Literatur kennen: „Deinen Widerstand zerbrech ich. Finte! Quart! Da hast du’s Laffe! Denn beim letzten Verse stech ich!”

Sonia Laszlo (23) wurde der Degen in die Wiege gelegt. In der dritten Generation ficht sie zuerst als Leistungsfechterin, bis hin zu Weltmeisterschafts- und Weltcupstarts, und ist nun auch in den Bereichen der Ausbildung und der Bühnenfechtkunst tätig.

„Ich habe dem Fechten viel von meinem Weltverständnis zu verdanken. Schon in einem frühen Alter habe ich gelernt zu gewinnen, aber auch zu verlieren – alleine auf der Planche zu performen – physische und psychische Fähigkeiten zu kombinieren und diesen perfekten Moment, in dem einfach alles stimmt, immer wieder zu erreichen. In den USA hatte ich die Chance, über Stunt- und Bühnenkampf sowie asiatische Sportarten und Geisteseinstellungen zu erlernen. Daraus habe ich mir meine eigene Mischung und einen ganzheitlichen Ansatz destilliert. Mir macht es auch großen Spaß, mein Wissen als Übungsleiter und „Lehrwart in Ausbildung” an junge Musketiere weiterzugeben und durch Vereinsmanagement unsere Leistungsfechter zu unterstützen.”

Fechtklub Balmung www.balmung.org

Claudia Panuschka (24)

Steht Dank hohem persönlichen Einsatz und dem Training bei Balmung mit Nationaltrainer Mag. Evgeni Pickman in den Startlöchern für die Olympischen Spiele in Athen 2004. Nach einer Vorführung in ihrer Schule in Wels/OÖ, entschloss sie sich, die Fechtkunst zu erlernen.

„Die größte Herausforderung beim Fechtsport ist für mich Taktik, psychische Stärke, gewissermaßen das Schachspiel mit der physischen Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit zu kombinieren. So meistert man ein Gefecht erfolgreich.”

Olivia Köhle (22) fand über einen Zeitungsartikel zum Fechten. Die Innsbruckerin schwingt seit vier Jahren begeistert für den Tiroler Landesfechtverband unter Trainer Jurek Konczalski den Degen: „Ich wollte immer einen Sport ausüben, der neben körperlichem Einsatz vor allem Taktik und geistige Anstrengung verlangt. Fechten ist wie Schachspielen. Manchmal fehlt es mir an der nötigen Konsequenz, denn Fechten ist ein steter Weiterentwicklungsprozess. Der Erfolg kommt nur mit dem Fleiß.

www.wellness-magazin.at - Christian Scherl

 


 

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